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Bewegende Eindrücke bei Spendenübergabe in Ahrweiler

Oktober 2021
Flutwein Ahrweiler

"Dem Nächsten muss man helfen: Es kann uns allen Gleiches ja begegnen." (Friedrich Schiller, deutscher Schriftsteller, *10.11.1759, †9.5.1805)

Es waren Gänsehaut-Momente. Die Spendenübergaben an zwei Vereine in Bad Neuenahr-Ahrweiler waren keine gewöhnlichen Termine. Sie boten Eindrücke und Gespräche über das Geschehene, das bis heute nachhallt.

Noch drei Monate nach der verheerenden Flut im Ahrtal sind die Folgen der Zerstörung deutlich sichtbar. Mindestens 17.000 Menschen verloren unmittelbar Hab und Gut oder stehen vor erheblichen Schäden. 134 Menschen ließen bei der Katastrophe im Ahrtal ihr Leben und weitere gelten heute noch immer als vermisst.

Der Wiederaufbau des Ahrtals, welches durch die Fluten im Juli 2021 nahezu vollständig zerstört wurde, befindet sich im vollen Gange. Herbstliche Kälte, Nässe und Dunkelheit bringen jedoch neue Herausforderungen, die bewältigt werden müssen. Noch immer sind viele freiwillige Helfer vor Ort, die den Wiederaufbau vorantreiben.

Mit einer Spende von 8.000 Euro unterstützt BEYER-Mietservice den jüngst gegründeten Verein „Die AHRche“, welcher sich seit dem ersten Tag unermüdlich beim Wiederaufbau von Ahrweiler engagiert. Bis heute hat der Verein ein beeindruckendes Hilfsangebot für Bedürftige aufgebaut, das mit Blick auf den nahenden Winter weiter vergrößert wird.

Mit einer weiteren Spende von 2.000 Euro an den Kinderschutzbund Kreis Ahrweiler e. V. sichert das Vermietunternehmen langfristig zwei Programme, die von der Flutkatastrophe betroffenen Kindern bei der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen hilft. In unbeschwerter Natur finden Kinder den nötigen Abstand zum Geschehenen und dürfen durch Spiel und Spaß Normalität erfahren. Hierzu einen finanziellen Beitrag zu leisten war Geschäftsführer Dieter Beyer ein besonderes Anliegen, das von Herzen kommt.

„Seit 27 Jahren führe ich das Unternehmen BEYER-Mietservice und eine solche Katastrophe habe ich noch nicht erlebt. Der Besuch in Ahrweiler war für mich ein bewegendes Ereignis. Die Folgen der Flut – dieses unbeschreibliche Ausmaß der Zerstörung - haben mich persönlich tief erschüttert und machen mich sehr betroffen. Ich möchte beiden Vereinen und allen freiwilligen Helfern, auch denen aus meinem Unternehmen, die im Flutgebiet unterstützen, meinen größten Respekt zollen. Es war mir eine Freude, Monika Hunger, Manuela Kaufmann, Lucinda Spielmanns vom Kinderschutzbund Ahrweiler e. V. und Lucas Bornschlegl von der AHRche e. V. kennenzulernen. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, auf diesem Wege auch andere Unternehmen und Personen zu motivieren, den kräftezehrenden, langwierigen Wiederaufbau voranzutreiben und solche großartigen Organisationen zu unterstützen.“ – Dieter Beyer (Geschäftsführung)

Die AHRche e. V. Verein für Katastrophenhilfe und Wiederaufbau — Von der privaten Hilfsaktion zum Verein

„Die AHRche e. V.“ wurde in Folge der Flutkatastrophe im Juli 2021 im Ahrtal von der lokalen Bevölkerung wie auch von Helferinnen und Helfern aus ganz Deutschland ins Leben gerufen. Die Mission des jüngst gegründeten Vereins ist die Katastrophenhilfe und der Wiederaufbau. Von dem zentralen Sitz in Ahrweiler am Kalvarienberg aus hilft das Team rund um den Vorsitzenden Lucas Bornschlegl Betroffenen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln Stück für Stück zurück in ein organisiertes Leben. Das hat sich der Verein zum Ziel gesetzt.

Ein Tag nach der Flut im Ahrtal startete die Hilfsaktion mit einem Lichtmast, einer Stromquelle zum Laden von Handys, einer Dusch- und Waschmöglichkeit sowie einer kleinen Verpflegungsstation. Diese inmitten von Trümmern errichtete Hilfsinsel entwickelte sich fortwährend weiter, sodass sie sich bis dato zur zentralen Anlaufstation für das gesamte Viertel und zu einer von mehreren übergreifend wirkenden Hilfsstationen entwickelt hat, die auf breiten Schultern der Bevölkerung und von Helfer*innen steht.

Wir haben Lucas Bornschlegl (Vorsitzender, AHRche e. V.) gefragt, wie der nahende Winter bewältigt wird, welche Hilfsangebote in diesem Zusammenhang besonders wichtig sind und wo derzeit die größten Herausforderungen des Vereins liegen:

„Die AHRche hat bereits im August 2021 in die kalte Jahreszeit geblickt. Die offenen und leichten Pavillons wurden gegen ein winterfestes, 180 qm Zelt getauscht. Eine Zeltheizung folgte bereits im September 2021. Mit zunehmender Kälte spielen sich jedoch viel mehr Aktivitäten in geschlossenen Räumen ab. Diese Räume gilt es zunehmend zu schaffen beziehungsweise zu erweitern. Daneben entstand das Projekt „Wärme für das Ahrtal“, welches bei der AHRche angesiedelt ist und von Kälte- und Klimatechnikern deutschlandweit begleitet wird. Hier werden Klimageräte oder auch liebevoll „1-Raum-Heizungen-für-0 €“, in betroffenen Haushalten kostenfrei verbaut.“ Derzeit besteht die größte Herausforderung im Fortbestand des „Dorfplatzes“. Während man anfangs oft nur 12 bis 24 Stunden im Voraus plante, wird mittlerweile mittel- bis langfristig in die Zukunft geblickt und ein Betrieb des Dorfplatzes bis Sommer 2022 anvisiert. Sorgen macht hier das Thema Planungssicherheit – so wird zum Beispiel hauptamtliches Personal für den Betrieb benötigt. Deren Finanzierung wäre für einige Wochen möglich, jedoch nicht für einige Monate. Daraus resultiert die Herausforderung der „Personal“-bindung und somit des effizienten Wissensmanagements. Daneben bestehen Visionen, die an einzelne Investitionen gekoppelt sind. Diese sind in der Regel etwas höher und für die AHRche ist es oft schwer zu ermitteln, wann eine Realisierung möglich ist. Hierzu zählen etwa die Erweiterung des großen Zeltes oder der Bau einer Spiel- und Sportstätte in Form eines weiteren Zeltes mit Sportboden.“

Mit einer Geldspende in Höhe von 8.000 € sichert BEYER-Mietservice die Anschaffung neuer witterungsresistenter Räumlichkeiten, welche als Wohnzimmer, Rückzugsort sowie als Arbeitsplatz und Beratungsstelle genutzt werden.

Wir danken Lucas Bornschlegl für seine Zeit und seinen unermüdlichen Einsatz sowie seine Hilfe die er jeden Tag aufs Neue erbringt um den kräftezehrenden Wiederaufbau voranzutreiben. Auch in Zukunft bleiben wir mit Herrn Bornschlegl und der AHRche e. V. in Kontakt.

Mehr Informationen zum Verein „Die AHRche e. V.“ finden Sie hier: https://www.die-ahrche.de/

zum Interview mit Lucas Bornschlegl

Eltern-Kind-Nachmittage im Kinderschutzbund Ahrweiler e. V.

Die vergangenen Monate haben uns eindrucksvoll bewiesen, wie schnell sich das gewohnte Leben ändern kann und vertraute, haltgebende Strukturen zerstört werden. Die Kontaktbeschränkungen durch Corona und schrecklichen, fortdauernden Eindrücke der Flutkatastrophe haben seelische Spuren hinterlassen, bei deren Aufarbeitung pädagogische und psychologische Fachkräfte intensive Unterstützung leisten.

Oft sind es die Jüngsten der Gesellschaft, die am stärksten unter Schicksalen und Katastrophen leiden. Der Kinderschutzbund Ahrweiler engagiert sich seit 1991 für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen sowie Eltern und Familien. Der gemeinnützige Verein setzt sich für eine kinderfreundliche Gesellschaft ein, in der die geistige, psychische, soziale und körperliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gefördert wird. Dabei sollen Kinder und Jugendliche bei allen Entscheidungen, Planungen und Maßnahmen, die sie betreffen, beteiligt werden. Die Einrichtung unterstützt zudem Bildungs- und Freizeiteinrichtungen und eine kinderfreundliche und gesunde Umwelt und hilft Kindern und Eltern in Familienkrisen.

Es gilt, das Geschehene aufzuarbeiten und kindliche Unbeschwertheit wieder möglich zu machen

Wir haben uns mit den haupt- und ehrenamtlichen Helferinnen Monika Hunger, Manuela Kaufmann und Lucinda Spielmanns zur Spendenscheck-Übergabe in Ahrweiler getroffen und die Möglichkeit genutzt, mehr über die derzeitige Lage in Ahrweiler sowie die Auswirkungen auf Familien und Kinder zu erfahren. Ein großer Teil aller Schulen und Kindergärten im Ahrtal wurden fast vollständig zerstört oder können nicht mehr für Schulunterricht genutzt werden. So werden die Kinder oft an weit entfernte Orte gefahren, um Schulunterricht überhaupt erst möglich zu machen.

Kinder werden in vielerlei Hinsicht aus ihren gewohnten Strukturen gerissen. Die Notsituation erfordert die gesamte Aufmerksamkeit der Erwachsenen. Freizeitangebote setzen aus, kindliche Unbeschwertheit hat keinen Raum und traumatisierende Erlebnisse wiegen schwer auf der Seele. Damit Kinder möglichst schnell wieder mit anderen Kindern zusammenkommen können und unbeschwerte Orte mit Spielmöglichkeiten, lustigen Erlebnissen, Bewegungs-, Natur-, Kunst- und Körpererfahrungen vorfinden – Abstand erleben dürfen! –, bietet der Kinderschutzbund KV Ahrweiler e.V. seit Anfang September wöchentlich zwei Eltern-Kind-Nachmittage an. Begleitet werden diese Programme von pädagogischen Fachkräften mit langjähriger Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Familien. Die Fachkräfte regen verschiedene Aktivitäten an und sind zusätzlich sensibilisiert und geschult für den Umgang mit traumatisierten Kindern. So können Gespräche geführt, Erlebnisse verarbeitet und weitere Hilfsbedarfe in diesem Bereich wahrgenommen und an entsprechende Stellen weitergeleitet werden. Auch die Erwachsenen haben in dieser Zeit die Möglichkeit, über ihre Erlebnisse zu sprechen, mit Menschen in ähnlichen Situationen zusammen zu kommen und Hilfe oder Beratung zu erhalten. So werden Familien insgesamt gestärkt und emotionale Verarbeitungsprozesse angeregt.

Im Interview mit Ulrike Ring-Scheel (Vorsitzende, Kinderschutzbund Ahrweiler) haben wir gefragt, was ihr Wunsch oder Ziel ist, im Hinblick auf ihre Hilfsangebote für das kommende Jahr?

„Wir möchten ganz besonders flexibel auf den Bedarf eingehen können, den die Familien konkret äußern. Uns ist es besonders wichtig, das Beratungsangebot auszubauen, Treffpunkte und Orte zu schaffen und neue Angebote zu installieren. Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Angebote für Familien niederschwellig, diskriminierungs- und kostenfrei sind. Ein weiterer und wichtiger Baustein unserer Arbeit wird die Schulung und Fortbildung von Erziehenden, Pädagogen und anderen Fachkräften sein, damit die Begleitung der Kinder fundiert, wertschätzend und traumavermeidend ist.“

Zudem wird der Kleiderladen „Kunterbunt“ in Sinzig ehrenamtlich vom Kinderschutzbund Ahrweiler geführt. Viele Familien sind derzeit auf Kleiderspenden angewiesen, um sich mit warmen Wintersachen einzudecken. Aktuell benötigte Sachspenden können Sie beim Kinderschutzbund Ahrweiler erfragen.

Kleiderladen "Kunterbunt", Kölner Straße 3, 53489 Sinzig

Wir werden weiterhin mit dem Kinderschutzbund Ahrweiler in Kontakt bleiben und wir bedanken uns für das Kennenlernen. Weitere Informationen zum Verein, zu Kontaktmöglichkeiten und zu aktuellen Projekten finden Sie hier: https://www.kinderschutzbund-ahrweiler.de/

zum Interview mit Ulrike Ring-Scheel

Helfer mit Herz