Persönliche Schutzausrüstung (PSA) schützt gegen einen Absturz

Lkw-Bühnen, Anhängerbühnen, Teleskopbühnen, Raupenarbeitsbühnen sowie Gelenkteleskopbühnen haben eines gemeinsam: Es sind Auslegerbühnen, auf denen Sie eine PSA gegen Absturz tragen sollten. Die persönliche Schutzausrüstung besteht in diesem Fall aus einem Ganzkörpersicherheitsgeschirr, einem Rückhaltesystem sowie Verbindungsmitteln. Klettergurte oder normale Haltegurte sind aufgrund ihrer Konstruktion für die Sicherung auf einer Arbeitsbühne nicht geeignet. Sie können bei einem Unfall, z. B. beim Herausschleudern aus dem Arbeitskorb, zu schweren Verletzungen oder zum Tod führen. Trotz erhöhtem Absturzrisiko aus Arbeitsbühnen ist es in Deutschland keine Pflicht, eine persönliche Schutzausrüstung zu tragen. Allerdings können sowohl die Bedienungsanleitung des Bühnenherstellers als auch Regeln des Arbeitsschutzes das Tragen einer PSA vorschreiben.

Warum eine persönliche Schutzausrüstung sinnvoll ist

Arbeitsbühnen sind in der Regel wirtschaftlicher und sicherer als der Einsatz von Leitern sowie ähnlicher Höhenzugangstechnik. Allerdings bergen auch Bühnen ein Unfallrisiko. Eine der größten Gefahren ist die des Herausstürzens aus dem Arbeitskorb. Dies kann durch unterschiedliche Situationen herbeigeführt werden:

Am meisten unterschätzt wird der Peitschen- oder Katapulteffekt einer Arbeitsbühne. Bereits bei einem unvorsichtigen Überfahren vonSchlaglöchern, Kanthölzern oder Bordsteinen gerät eine mobile Auslegerbühne ins Wippen. Aufgrund der Bauweise wirkt sich der Wippeffekt besonders auf den Arbeitskorb aus, und zwar so stark, dass der Bediener herausgeschleudert wird. Eine persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz fängt genau solche Stürze ab. Der Katapulteffekt tritt des Weiteren beim Zusammenstoß mit anderen Fahrzeugen auf oder wenn sich der Arbeitskorb verhakt (z. B. an einer Stahlkonstruktion) oder wieder ruckartig freigegeben wird. Von diesem Fall sind somit auch Scherenarbeitsbühnen sowie Mastbühnen betroffen.

Nur noch schnell dieses eine Stückchen Blech montieren oder jenen Ast dort drüben abschneiden wollen, schnell ist es passiert: Der Bediener bewegt nicht den Arbeitskorb oder versetzt die Bühne, sondern lehnt sich über das Geländer hinaus, verliert das Gleichgewicht und stürzt aus dem Korb. Auch wenn Sie eine PSA tragen, steigen Sie nicht bei angehobenem Teleskop auf das Geländer und verlassen Sie nicht den Arbeitskorb!

Ist die Bühne nicht korrekt abgestützt, können eine oder sogar mehrere Stützen abrupt absacken bzw. einsinken. Vermeiden Sie dies, indem Sie vor einem Einsatz den Einsatzort in Augenschein nehmen (Gefährdungsbeurteilung) und die Bodenverhältnisse richtig einschätzen. Nicht auszuschließen sind auch technische Defekte (z. B. an der Hydraulik), die den Arbeitskorb unvermittelt absinken lassen können.

Die persönliche Schutzausrüstung richtig verwenden

Bitte beachten Sie vor jedem Arbeitsbühnen-Einsatz die Bedienungsanleitung des Herstellers! So wird beispielsweise oft die Verwendung eines Rückhaltesystems vorgegeben, um einen Herausstürzen aus dem Arbeitskorb zu verhindern. Ein Auffangsystem ist in den meisten Fällen nicht geeignet. Es hindert den Benutzer nicht daran, sich in unsichere Bereiche zu begeben. Des Weiteren verhindert ein Auffangsystem nicht den Absturz bzw. den freien Fall, sondern fängt diesen lediglich ab. Verletzungen können hierbei nicht ausgeschlossen werden. Hinweis: Verwenden Sie zum Absichern Ihrer Arbeiten keine Klettergurte oder ähnliches! Diese verursachen im Falle eines Sturzes schwerste Rückenverletzungen. 

Verwenden Sie ein Höhensicherungsgerät mit eingebauter Bremse, welches sowohl für die horizontale als auch die unterhorizontale Verwendung zugelassen ist. Befinden sich mehrere Personen im Arbeitskorb, wird jeder über einen separaten Anschlagspunkt abgesichert. Befestigen Sie Ihre PSA nur an Anschlagspunkten, die auch als solche gekennzeichnet sind. Verwender einer PSA gegen Absturz sollten in der Benutzung unterwiesen worden sein und im Umgang geübt. Vor jedem Einsatz ist eine Überprüfung auf Mängel oder Beschädigungen vorzunehmen, z. B. auf angerissene Nähte, Verschleiß, Schnitte, Verformungen oder Korrosionen sowie beschädigende Verschmutzungen.

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Aus dem Korb gestürzt | Wenn der Notfall eintritt

Für den Fall, dass eine Person aus dem Arbeitskorb geschleudert wird, sollte immer am Boden eine zweite Person anwesend sein, die unverzüglich geeignete Rettungs- und Erste-Hilfe- Maßnahmen einleiten kann. Rufen Sie unverzüglich einen Notarzt und teilen Sie den ankommenden Rettungskräften sofort die Unfallumstände mit, so dass eine entsprechende Behandlung eingeleitet werden kann.
Die in den Gurten hängende Person muss so schnell wie möglich geborgen werden, da sonst innerhalb kürzester Zeit ein lebensgefährliches Hängetrauma eintreten kann. Aus diesem Grund sollte bereits bei der Planung des Arbeitsbühneneinsatzes ein Rettungskonzept ausgearbeitet werden. Bestehen keine massiven Blutungen und ist die Person ansprechbar, sind nach dem Bergen sofort die Auffanggurte zu öffnen. Die geborgene Person ist in der Regel für 20 bis 40 Minuten in eine sitzende bzw. kauernde Haltung (erhöhter Oberkörper, angewinkelte Beine) zu bringen. Eine klassische Schock-Lagerung (erhöhte Beinlagerung) oder flache Lagerung führt in dieser Situation dazu, dass das in die Beine gesunkene Blut zu schnell in Richtung Herz strömt und der Gerettete an einer Entgleisung der Kreislaufregulation sterben kann. Um auf diesen Zustand sowie auf weitere Zustände (Bewusstlosigkeit, Atemstillstand) schneller und vor allem angemessen reagieren zu können, absolvieren Sie bitte einen entsprechenden Erste-Hilfe-Kurs!

Begriffserklärung:

Höhensicherungsgerät

Bestandteil von einem Rückhaltesystem: Das Höhensicherungsgerät hält die Sicherungsleine automatisch kurz und packt bei abruptem Zug, einem Autosicherheitsgurt ähnlich, sofort zu. Die Sicherungsleine ist auf 1,80 m begrenzt und wird idealerweise an einer Anschlagsöse in Bodennähe des Arbeitskorbs befestigt. Das Herausschleudern des Bedieners aus dem Arbeitskorb wird so verhindert.

Rückhaltesystem

Ein Rückhaltesystem hindert Personen daran, in Bereiche zu gelangen, in denen das Risiko eines Absturzes besteht. Das Rückhaltesystem für Arbeitsbühnen besteht in der Regel aus einem Haltegurt mit integrierten Auffanggurten sowie dem Verbindungsmittel (Sicherungsleine) mit Höhensicherungsgerät. Dieses System verhindert ein Herausstürzen aus dem Arbeitskorb. Oftmals schreiben Arbeitsbühnen-Hersteller in der Bedienungsanleitung die Benutzung eines Rückhaltesystems aufgrund der mit nur 3 kN belastbaren Anschlagsösen vor.

Hängetrauma

Ein Hängetrauma tritt ein, wenn eine Person länger bewegungslos und frei in einem Gurtsystem hängt. Aufgrund der Schwerkraft versackt das Blut in die herabhängenden Körperteile, z. B. In die Beine. Durch die freihängende Körperlage sind die körpereigenen Gegenregulationsmechanismen überfordert und können das Blut nicht mehr umverteilen. Das einschnürende Gurtsystem verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Es kommt zu einem orthostatischen Schock sowie einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff. Ein Hängetraum kann bereits innerhalb von Minuten eintreten. Bergen Sie aus diesem Grund die in Not geratene Person so schnell wie möglich und führen Sie der besonderen Situation entsprechend Erste-Hilfe-Maßnahmen durch.