Westerwälder baggert sich nach oben

Quelle: Rhein - Zeitung - Ausgabe 24. Juli 2009 - Verlag: Mittelrhein-Verlag GmbH

  Beyer erobert mit Baumaschinen Europas Markt (Quelle: RZ, Juli 2009)
   
Spezialmaschinen so weit das Auge reicht: Die hochmoderne Mietflotte des Westerwälders Dieter Beyer umfasst mittlerweile 1000 Fahrzeuge und Geräte. Das Unternehmen aus dem Kreis Altenkirchen gehört zu den größten der Branche in Deutschland und ist bei Kunden in ganz Europa gefragt. (Fotos: Peter Bongard)
   
Firma Beyer aus dem Kreis Altenkirchen erobert mit Spezial-, Bau- und Industriemaschinen Europas Markt - Chef ist stolz auf junge Mitarbeiter
   

Egal ob Teleskopstapler, Arbeitsbühnen oder Spezialkrane: Dieter Beyer hat sie alle im Angebot. Der 44-Jährige hat in Roth-Heckenhof (Kreis AItenkirchen) einen Mietservice für Bau-, Industrie- und Spezialmaschinen aufgebaut. Und ist trotz Krise gefragt.

ROTH•HECKENHOF. Der Bauhof von Dieter Beyer mitten im Westerwald könnte auch als Spezialbereich einer gut sortierten Spielzeugabteilung durchgehen. Dort stehen auf Hochglanz poliert und in Reih und Glied mächtige Kettenbagger, filigrane Raupenkrane und imposante Radlader.
Und das Beste daran: alle in Echtgröße, voll funktionsfähig und zu mieten. Ein Anblick, der Männerherzen höher schlagen lässt und Dieter Beyer groß gemacht hat.
Seit 15 Jahren vermietet der 44-Jährige unter dem Namen „Beyer Mietservice“ europaweit Bau-, Industrie- und Spezialmaschinen. Er ist in Deutschland einer der Größten seiner Branche. Zu seinen Kunden zählen Industriebetrieb und Handwerker, Veranstalter und Privatleute. „Wir achten auf eine sehr breite Streuung quer durch alle Branchen. Der größte Einzelkunde hält gerade mal einen Anteil von drei Prozent am Gesamten Umsatzvolumen“, verrät Beyer.
Über die ultramarinblauen Beyer- Maschinen stolpert man bei der Formel 1 auf dem Nürburgring, in der RTL- Serie „Mein Garten“ oder wenn die bayerische Landeshauptstadt ihr U-Bahn- Netz vergrößert. Wer mal eben etwas auszubaggern, von links nach rechts zu bewegen oder in die Lüfte zu heben hat, wird bei Beyer fündig.
Mehr als 1000 Fahrzeuge und Spezialmaschinen umfasst die Mietflotte, die Beyer zusammen mit seinen 85 Mitarbeitern betreut und ihm einen Jahresumsatz im zweistelligen Millionenbereich beschert. Daran wird wohl nicht mal die Wirtschaftskrise viel ändern können. Denn das Geschäft läuft. Auf dem alten Firmengelände in Roth-Heckenhof stehen an einem Julimorgen nebst diversen Spezialmaschinen gerade mal zehn handliche Bagger; das neue Firmengelände im benachbarten Etzbach ist wie leer gefegt. „Ist derzeit alles vermietet“, kommentiert der 44-Jährige lapidar.
Das liegt zum einen daran, das die Deutschen wieder ein Faible fürs Selbermachen entdecken. An der Baugrube fürs neue Haus oder den Gartenteich machen sich die Besitzer jetzt selbst die Hände schmutzig. Das dazu benötigte Gerät wird „beim Beyer“ gemietet.

Zum anderen können sich die Firmen heutzutage für einen Auftrag nicht mehr mal eben eine eigene Fahrzeugflotte zulegen. Zu groß ist das benötigte Repertoire an Spezialmaschinen, zu gering die tatsächliche Auslastung. Ein Schwerlastteleskopstapler beispielsweise kostet dem Listenpreis nach 300 000 Euro. „Damit sich der Kauf der Maschine rentiert, brauche ich eine Auslastung für mindestens 6 bis 8 Jahre.Das ist aber selten der Fall“, erklärt Beyer. Geld von der Bank gibt es dafür aber nur bei einer entsprechenden Auslastung. Also wird gemietet. Mal für einen Tag, mal für zwei Jahre. Eben je nach Bedarf. „Und genau das schätzen die Firmen zunehmend am Mieten: Sie sind dadurch deutlich flexibler und haben fest kalkulierbare Kosten“, wirbt der 44-Jährige. Das allerdings muss sich in den deutschen Chefetagen erst noch herumsprechen. Beyer: „Hier überwiegt noch in weiten Teilen das Besitzerdenken. In Frankreich oder England hingegen gehört das Mieten längst zum Standard. Das wiederum lässt den 44-Jährigen sehr gelassen in die Zukunft blicken: „Da ist noch einiges an Wachstumspotenzial zu erwarten. "
Wie viel Potenzial in dieser Branche steckt, zeigt allein die rasante Entwicklung der Firma vom Ein Mann-Unternehmen zum 85-Mitarbeiter-Betrieb. Angefangen hat der gelernte Betriebsschlosser und Industriekaufmann Beyer in der Garage seines Elternhauses. Als sein Vater 1994 starb, vererbte er seinem damals knapp 30-jährigen Sohn eine 160 Quadratmeter große Garage voller Maschinen und Baugeräte. „Ich wusste erst mal gar nicht, was ich damit anfangen sollte", erinnert sich Beyer. Seine Pläne waren andere: Er steckte mitten im Betriebswirtschaftsstudium, und selbstständig gemacht hatte er sich in der Automobilbranche zuvor auch schon.
Doch dann lag ihm ein Studienfreund in den Ohren: Er finde keinen Job. Plötzlich kam Beyer die Idee: Ein Mietservice für Baumaschinen, das wäre doch für beide die perfekte Lösung. Allerdings fing statt dem Studienfreund Beyer Feuer. Noch im gleichen Jahr gründete er den „Beyer Mietservice“.
Kurze Zeit später zog die Firma bereits auf ein 8500 Quadratmeter großes Areal in Roth-Heckenhof um. Und als es dort Ende 2008 der Firma zu eng wurde, kaufte Beyer im Etzbacher Industriepark mal eben 700 Quadratmeter zusätzliche Bürofläche und mietete Weitere7500 Quadratmeter an Hallen und Freiflächen dazu. Auch drei üppige Maschinendepots in Erlensee (bei Hanau), Frankfurt-Höchst und Hamburg gehören mittlerweile zum Unternehmen.
Allein auf günstige Wachstumsbedingungen will Beyer den Erfolg aber nicht schieben. „Wir haben hart daran gearbeitet“, sagt Beyer und will dabei vor allem das „wir" betont wissen. „Wir“, das ist ein Stab von Mitarbeitern, die zu 90 Prozent jünger als 30 Jahre sind. „Ich arbeite einfach gerne mit jungen Menschen zusammen. Sie bekommen bei mir früh Platz für eigene Ideen und eine große Verantwortung übertragen. Das motiviert. Und dieser Spaß an der Arbeit, der fällt dann auch dem Kunden auf – was wiederum gut fürs Geschäft ist", erklärt Beyer und weist dabei stolz auf die Miniaturausgabe eines nagelneuen Beyer-Teleskopstapler auf seinem Schreibtisch. In echt kann er ihn gerade leider nicht vorführen. Er ist derzeit vermietet - was auch sonst?

Sine Weisenberger
   

Der Originalvorlage entnommen.

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